Die Geschichte der DFS

1953

Gründung der Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS)

1993

Die Gründung der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
In der Nacht zum 1. Januar 1993 wird in Frankfurt die Gründung der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH gefeiert. 40 Jahre lang war eine Bundesbehörde für die Kontrolle des Luftverkehrs in Deutschland zuständig, nun geht diese Aufgabe auf ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen über. Es ist eine Privatisierung mit Hindernissen: 1991 hatte sich der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker geweigert, eine Novelle des Luftverkehrsgesetzes zu unterschreiben. Er sah darin einen Verstoß gegen das Grundgesetz, in dem festgeschrieben war, dass die Kontrolle des Luftverkehrs in bundeseigener Verwaltung erfolgt. 1992 machte eine Änderung des Grundgesetzes dann den Weg frei für die Gründung der DFS. Eigentümer der DFS ist die Bundesrepublik Deutschland. Formal gegründet wurde das Unternehmen bereits im Oktober 1992, am 1. Januar 1993 nahm es seine Arbeit auf.

Zivil-militärische Integration
Bis zur Gründung der DFS waren zivile und militärische Flugsicherung zwei verschiedene Welten. Das bedeutete: Militärische Übungslufträume waren für die zivile Luftfahrt tabu, auch wenn sie für militärische Zwecke gerade gar nicht benötigt wurden. Mit der Gründung der DFS hat sich das geändert: Für die Kontrolle des militärischen Flugverkehrs an den Fliegerhorsten und für die taktischen Flugübungen ist weiterhin das Militär zuständig, für die überörtliche Flugsicherung dagegen die DFS. Die Soldaten, die bis dahin für die militärische Flugsicherung zuständig waren, wurden beurlaubt und wechselten in die DFS. Dort kontrollieren sie nun Seite an Seite mit ihren zivilen Kollegen den Flugverkehr. Dadurch ist es möglich, den Luftraum flexibel zu nutzen und Areale, die für militärische Zwecke nicht benötigt werden, für zivile Flüge freizugeben. Mit dieser Form der zivil-militärischen Integration ist die DFS Vorreiter in Europa.

1995

Mehr als zwei Millionen Flüge
Am 4. Dezember 1995 wird im deutschen Luftraum erstmals die Schallmauer von zwei Millionen Flügen nach Instrumentenflugregeln durchbrochen.

1996

DFS reduziert ihre Kontrollzentralen
Die DFS beginnt damit, ihre Kontrollzentralen und deren Zuständigkeiten neu zu organisieren. Bislang war die Kontrolle des Luftverkehrs in Deutschland auf sechs Standorte (Berlin, Bremen, Düsseldorf, Langen, München, Karlsruhe) verteilt, diese werden Schritt für Schritt auf vier reduziert. Die Kontrollzentralen in Berlin und Düsseldorf werden geschlossen, Mitarbeiter und Verkehr auf die übrigen Standorte verlagert. Auch die An- und Abflugkontrolle – der so genannte Approach – geht von den Tower-Standorten auf die Kontrollzentralen über. Mit der Verlagerung des oberen Luftraums von München nach Karlsruhe 2012 ist die Neuorganisation abgeschlossen.

2000

Eagle Award
Die internationale Luftverkehrsvereinigung IATA zeichnet die DFS als weltweit führende Flugsicherung mit dem „Eagle Award 2000“ aus.

2004

Ein einheitlicher Himmel über Europa
Mit der Verordnung Nr. 549/2004 legt die EU-Kommission die Grundlagen für die Schaffung eines einheitlichen europäischen Luftraums („Single European Sky“, kurz SES). Diese Verordnung ist der Auslöser für eine ganze Reihe von Regularien, die auf die Arbeit der DFS großen Einfluss haben. In dem so genannten SES-I-Paket werden verschiedene Maßnahmen festgelegt – von der Einrichtung nationaler Aufsichtsbehörden, die die Arbeit der Flugsicherungsorganisationen kontrollieren, bis zur Harmonisierung der Flugsicherungssysteme in Europa. Das darauffolgende SES-II-Paket legt zusätzlich fest, dass sich die europäischen Flugsicherungen künftig an einen Performance-Plan halten und dabei bestimmte Leistungsziele erreichen müssen. Dazu werden Zielwerte für die Bereiche Sicherheit, Kapazität, Umwelt und Kosteneffizienz definiert.

2005

DFS gründet Tochter für Regionalflughäfen
Mit den EU-Verordnungen zur Initiative „Single European Sky“ ändern sich auch die Spielregeln für die Flugverkehrskontrolle an Regionalflughäfen: Die Flugsicherung an Regionalflughäfen wie Hahn oder Dortmund darf nicht mehr von Lotsen unter Fachaufsicht der DFS, sondern nur noch von zertifizierten Unternehmen wahrgenommen werden. Der deutsche Gesetzgeber entscheidet, den Markt zu öffnen und Konkurrenz zuzulassen: Jeder zertifizierte Flugsicherungsprovider in Europa kann sich nun um die Flugverkehrskontrolle an Regionalflughäfen bewerben. Aus diesem Grund gründet die DFS kurz vor Weihnachten 2005 ihre Tochtergesellschaft „The Tower Company“ (TTC). Mit Erfolg: Im Mai 2006 kann sie mit dem Flughafen Dortmund ihren ersten Kunden gewinnen. Einige wenige Flughäfen lassen sich selbst zertifizieren oder entscheiden sich für den Mitbewerber Austrocontrol, die größten jedoch wechseln zur DFS: Zuletzt hat die TTC neun Kunden, darunter die verkehrsstarken Regionalflughäfen Hahn, Dortmund, Niederrhein, Karlsruhe/Baden-Baden und Paderborn.

2007
Erstmals werden im deutschen Luftraum mehr als drei Millionen Flüge nach Instrumentenflugregeln gezählt.

2011

Neue Tower braucht das Land
Pünktlich und im vorgegebenen Budget stellt die DFS zwei neue Kontrolltürme fertig. Der eine steht am Flughafen Frankfurt, wo durch den Bau der Nordwestbahn ein neuer Tower-Standort erforderlich ist: Vom alten Turm auf der Südseite des Flughafens wäre die neue Landebahn nicht einsehbar gewesen. Der zweite steht am neuen Berliner Hauptstadtflughafen BER. Der Tower Frankfurt geht in der Nacht zum 14. Juni 2011 in Betrieb. Der Tower Berlin folgt am 25. März 2012 – pünktlich zur seinerzeit geplanten Eröffnung des neuen Flughafens. Heute ist der BER noch immer nicht eröffnet, während vom Tower aus seit nunmehr fünf Jahren der Flugverkehr auf dem Flughafen Schönefeld kontrolliert wird. Die beiden Kontrolltürme richten sich nach einem Gestaltungsentwurf, den die DFS 1996 in einem Architektenwettbewerb ausgewählt hat. Nach den Plänen des Architekturbüros Ondra & Heinzelmann wurden bislang sechs Tower gebaut: in Hannover, Leipzig, Düsseldorf, Dresden, Frankfurt und Berlin.

2012

EU reguliert Flugsicherungsgebühren
2012 werden auf Initiative der EU-Kommission europaweit neue Vorgaben für die Festlegung der Flugsicherungsgebühren eingeführt. Bislang richtete sich bei der DFS die Höhe der Gebühren nach den tatsächlichen Kosten. Mit diesem Prinzip der Vollkostendeckung ist es nun vorbei: Von 2012 an werden die Gebühren, die die DFS für ihre Dienstleistung verlangen darf, auf Basis von prognostizierten Verkehrszahlen für einen bestimmten Zeitabschnitt vorgegeben. Das bedeutet, dass das Verkehrsrisiko zum großen Teil auf die Flugsicherungsorganisationen verlagert wird: Wächst der Verkehr geringer als vorhergesagt und fallen die Gebühreneinnahmen entsprechend geringer aus, müssen sie dies kompensieren. Seit 2012 gilt die neue Regelung für die Streckengebühr, seit 2015 auch für die An- und Abfluggebühren.

2013

Der FABEC-Staatsvertrag wird ratifiziert
Die Initiative „Single European Sky“ sieht vor, über die Schaffung von grenzübergreifenden Luftraumblöcken, sogenannten Functional Airspace Blocks (FAB), zu einem einheitlichen europäischen Luftraum zu kommen.  Deshalb haben sich die Flugsicherungen Europas zu verschiedenen FAB-Initiativen zusammengeschlossen. Die DFS ist Teil des FAB Europe Central (FABEC) – er ist das größte FAB-Projekt in Europa. Der FABEC umfasst den Luftraum von Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz. Im Jahr 2013 ratifizieren die beteiligten Staaten den FABEC-Staatsvertrag. Innerhalb des FABEC werden zahlreiche Projekte umgesetzt, um Verbesserungen für die Luftraumnutzer zu erreichen – von der Einführung kürzerer Flugstrecken über die Beseitigung von Engpässen auf besonders belasteten Städteverbindungen bis zur Einführung von Free-Route-Konzepten, bei denen Airlines zwischen vorgegebenen Ein- und Ausflugspunkten ihren Flugweg frei wählen können.

2015

Remote Tower Control
In ihrem Projekt „Remote Tower Control“ startet die DFS am Flughafen Saarbrücken die erste betriebliche Validierung. In dem Projekt geht es darum, den Verkehr an kleinen Flughäfen künftig aus der Ferne zu kontrollieren. Dabei ersetzen Kameras und Infrarotsensoren den Blick aus der Tower-Kanzel. Das System, mit dessen Entwicklung das österreichische Technologieunternehmen Frequentis beauftragt wurde, verfügt über zusätzliche Hilfsmittel, die dem Lotsen die Arbeit erleichtern. So werden sich bewegende Objekte markiert und können mit Hilfe schwenkbarer Kameras automatisch verfolgt werden. Standort des Remote Tower Centre wird Leipzig sein. Sobald das System reif für die Einführung ist, soll die Kontrolle des Luftverkehrs an den Flughäfen Saarbrücken, Erfurt und Dresden schrittweise dorthin verlagert werden.

2016

Tochter der DFS-Gruppe übernimmt Flugsicherung in London
Wachwechsel im Tower des Flughafens London-Gatwick: In der Nacht zum 1. März 2016 übernimmt die DFS über ihre britische Tochtergesellschaft Air Navigation Solutions Ltd. (ANS) die Flugsicherungsdienste am zweitgrößten britischen Flughafen. London-Gatwick ist mit bis zu 950 Starts und Landungen pro Tag der verkehrsreichste Flughafen weltweit mit nur einer Piste. Vom 1. April 2018 an wird ANS auch für die Tower- und Anflugkontrolle an dem schottischen Airport Edinburgh verantwortlich sein. An beiden Flughäfen löst sie die britische Flugsicherungsorganisation NATS ab.

2017

DFS bündelt Drittgeschäft
Mit der Gründung der Tochtergesellschaft DFS Aviation Services GmbH schafft die DFS die Voraussetzungen für den weiteren Ausbau ihres kommerziellen Drittgeschäfts. Die DFS Aviation Services vermarktet weltweit Produkte und Dienstleistungen rund um das Thema Flugsicherung. Dieses Geschäft wurde bislang sowohl von der DFS selbst als auch von deren Beteiligungsgesellschaft „The Tower Company“ wahrgenommen. Schwerpunkt der DFS-Tochter ist zum einen die Flugverkehrskontrolle. Ihre Fluglotsen kontrollieren aktuell den Flugverkehr an neun Regionalflughäfen in Deutschland, das entspricht rund 60 Prozent des gesamten Regionalverkehrs. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Vermarktung von flugsicherungsnahen Produkten und Dienstleistungen. So ist beispielsweise ein von der DFS entwickeltes Radardatenverarbeitungssystem in mehreren Ländern im Einsatz, darunter in Brasilien, Kanada und den Niederlanden. Auch Beratung, Training und Simulationen „Made in Germany“ sind weltweit gefragt. Die DFS Aviation Services hat ihren Sitz in Langen und unterhält Vertretungen in Singapur und Peking.

Ausbildung für Militärlotsen
Mit ihrem Tochterunternehmen „Kaufbeuren ATM Training GmbH“ übernimmt die DFS in Kooperation mit der Bundeswehr zum 1. Januar 2017 die militärische Flugsicherungsausbildung am Standort Kaufbeuren. Im Sommer beginnt sie mit den Arbeiten an einem neuen Ausbildungscampus. In den Bau eines modernen Schulungsgebäudes und in die Renovierung von zwei Unterkunftsgebäuden investiert die DFS insgesamt 18 Millionen Euro. Die Eröffnung ist Ende 2019 geplant. Zuvor bereits hatte die DFS die Simulatortechnik der Bundeswehr komplett erneuert und dafür rund eine Million Euro investiert. Die bisher genutzten analogen Geräte wurden durch moderne, digitale Simulatoren ersetzt. Ebenso erneuert wurde die Software. Außerdem installierte die DFS einen neuen Towersimulator, ein hochmodernes Rückprojektionssystem mit 16 Laser-Beamern, die eine Auflösung von mehr als 36 Millionen Pixel liefern.

DFS führt neues Flugsicherungssystem ein
Die DFS führt in ihrer Niederlassung Karlsruhe, von der aus der obere Luftraum kontrolliert wird, das neue Flugsicherungssystem iCAS ein. Es ist schneller und leistungsfähiger als sein Vorgänger und basiert auf einer modernen technischen Plattform. In den nächsten Jahren wird die DFS iCAS Schritt für Schritt auch in den Kontrollzentralen in München, Bremen und Langen installieren, von denen aus der untere Luftraum überwacht wird. An den dafür notwendigen Anpassungen wird derzeit intensiv gearbeitet. Ziel ist es, DFS-weit iCAS als einheitliches Flugsicherungssystem einzusetzen und auf diese Weise die Kosten zu reduzieren.
iCAS ist Teil des europäischen Gemeinschaftsvorhabens iTEC (interoperability Through European Collaboration). In dieser Allianz haben sich mehrere Flugsicherungsorganisationen zusammengeschlossen, um mit dem spanischen Industrieunternehmen Indra eine neue Flugsicherungs-Systemgeneration mit gemeinsamen Kernbestandteilen zu entwickeln. Ziel der Entwicklung ist es, durch gemeinsame Standards die Flugsicherungssysteme der einzelnen Länder kompatibel zu gestalten und die Entwicklungs- wie Wartungskosten zu senken. Die DFS arbeitet dabei mit den Flugsicherungsorganisationen der Niederlande (LVNL), Polens (PANSA) und Litauens (Oro Navigacija) zusammen. Daneben gehören die britische NATS mit ihrem Projektpartner AVINOR (Norwegen) sowie die spanische ENAIRE zur iTEC-Allianz.

Neuer Verkehrsrekord
Im Jahr 2017 kontrolliert die DFS erstmals mehr als 3,2 Millionen Flüge nach Instrumentenflugregeln – so viele wie nie zuvor.