Mit dem Abschluss des Forschungsprojekts D-KULT zum Jahresende 2025 liegen erstmals praxisnahe Ergebnisse zur Vermeidung klimawirksamer Kondensstreifen im Luftverkehr vor. Die Untersuchungen zeigen: Strategische Klimaoptimierung in der Flugplanung bietet Chancen – erfordert jedoch weitere Forschung.
Projektstart im Jahr 2022
Das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt D-KULT (Demonstrator Klima- und Umweltfreundlicher Lufttransport) lief von Juni 2022 bis August 2025 im Rahmen des Luftfahrtforschungsprogramms LuFo VI-2. Das Ziel war die Entwicklung von Verfahren, um die Klimawirkung des Luftverkehrs zu senken. Dies sollte vor allem durch die Vermeidung solcher Gebiete erzielt werden, in denen durch eisübersättigte Luftschichten verstärkt langlebige Kondensstreifen entstehen. Diese sogenannten PPC = Potential Persistent Contrail tragen erheblich zur Erderwärmung bei.
Zwei Forschungsansätze
Zum einen untersuchten die Experten die taktische Vermeidung. Das heißt: Im Flugsicherungsbetrieb wurden Flugzeuge um die relevanten Gebiete herumgeführt. In Realzeitsimulationen zeigte sich, dass dies nicht praktikabel ist. Rein taktische Umleitungen führen zu 20 bis 60 Prozent Kapazitätsverlust im Luftraum und erhöhtem Arbeitsaufwand für Fluglotsinnen und Flugloten.
Wesentlich erfolgversprechender erschien den Experten der Weg der strategischen Vermeidung. Das heißt: Fluggesellschaften erweiterten ihre Flugplanungssysteme um Klimaoptimierungsfunktionen und konnten so bereits vor Flugbeginn geeignete Routen wählen. In einem Test mit 100 Flügen konnten so PPC-Gebiete gezielt umflogen werden. Dieser auf Einzelflügen basierte Versuch zeigte jedoch eine manuell sehr aufwändige Planung und Durchführung auf. Daher ist eine Übertragbarkeit zu einem Regelbetrieb aktuell noch nicht gegeben.
Intensive Expertengespräche - weitere Forschungen notwendig
Bevor Verfahren in einem Regelbetrieb einsetzbar sind, müssen weitere Untersuchungen erfolgen. Die Auswirkungen auf Treibstoffverbrauch und Klimabilanz untersuchen derzeit Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Eine positive Klimawirkung entsteht nur, wenn der Nutzen der Umfliegung die zusätzlichen CO₂-Emissionen übersteigt. Erste Berechnungen zeigen zwar Potenzial, werfen aber neue Fragen auf. Zudem erwiesen sich die zugrunde liegenden Wetter- und Klimadaten als weniger robust als erwartet. Die DFS intensivierte den wissenschaftlichen Austausch mit DLR und DWD, um hier zu neuen Ansätzen zu kommen. Das DLR koordiniert das Projekt D-KULT und ist selbst mit fünf Instituten beteiligt.
„D-KULT hat wichtige Grundlagen geschaffen, doch die Forschung muss weitergehen – national wie international.“ sagt Arndt Schoenemann, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFS. „Das Ziel bleibt ein koordiniertes Vorgehen von Airlines, Flugsicherung und dem europäischen Flugsicherungs-Netzwerkmanagement, um klimarelevante Kondensstreifen wirksam zu vermeiden“ so Schoenemann weiter
Medienkontakt:
Ute Otterbein
Telefon (06103) 707-4162
E-Mail: presse@dfs.de
Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH ist ein bundeseigenes, privatrechtlich organisiertes Unternehmen mit rund 5.800 Mitarbeitern (Stand: 31.12.2025). Die DFS sorgt für einen sicheren und pünktlichen Flugverlauf. Die rund 2.200 Fluglotsinnen und Fluglotsen leiten in Spitzenjahren mehr als drei Millionen Flüge durch den deutschen Luftraum, täglich bis zu 10.000. Das Unternehmen betreibt Kontrollzentralen in Bremen, Karlsruhe, Langen und München sowie Tower an den 15 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland. Die Tochtergesellschaft DFS Aviation Services GmbH vermarktet flugsicherungsnahe Produkte und Dienstleistungen und ist für die Flugverkehrskontrolle an neun deutschen Regionalflughäfen sowie am Flughafen Edinburgh verantwortlich. Die DFS arbeitet maßgeblich an der Integration von Drohnen in den Luftverkehr und hat mit der Deutschen Telekom das Joint Venture Droniq GmbH gegründet. Das Tochterunternehmen R. Eisenschmidt GmbH vertreibt Publikationen und Produkte für die Allgemeine Luftfahrt, die Kaufbeuren ATM Training (KAT)bildet militärisches Flugsicherungspersonal aus, und das Joint Venture FCS Flight Calibration Services bietet Flugvermessungsdienstleistungen an.