DFS-Bewertungsmethode bringt Rückenwind für Windkraft

Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH führt vom 1. Juni 2020 an bei Antragsverfahren zum Bau von Windkraftanlagen eine modifizierte Bewertungsmethode ein, um das Störpotenzial von Windrädern auf terrestrische Funk-Navigationseinrichtungen zu bestimmen. Berücksichtigt werden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt aus dem Forschungsprojekt „WERAN plus“.

29.05.2020.- Die im Rahmen des Forschungsprojekts „WERAN plus“ entwickelte Berechnungsformel stützt sich nicht allein auf theoretische Berechnungen, sondern berücksichtigt zusätzlich Ergebnisse aus drohnenbasierten Vor-Ort-Messungen. Das Ergebnis ist eine modifizierte Berechnungsformel, die zu genaueren Ergebnissen führt. Auf Basis der verbesserten Prognosequalität können künftig voraussichtlich mehr Windkraftanlagen im Schutzbereich um Doppler-Drehfunkfeuer genehmigt werden als bisher.

Die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) und ihr Projektpartner DFS haben im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Forschungsprojekts WERAN plus (Wechselwirkung von Windenergieanlagen mit Anlagen der terrestrischen Navigation und Radar) in mehrjähriger Forschungsarbeit die durch Windenergieanlagen hervorgerufenen Störungen von Funk-Navigationssystemen untersucht. Die nun veröffentlichten Ergebnisse beziehen sich auf Doppler-Drehfunkfeuer (DVOR).

Prüfmethodik begünstigt die Genehmigung von Windprojekten
Auf Grundlage der nun vorliegenden neuen technisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse hat die DFS die Bewertungsmethode in Zusammenarbeit mit der PTB weiterentwickelt und ergänzt. „Ich begrüße, dass der DFS nun ein von allen Beteiligten akzeptierter innovativer Ansatz bei der Berechnungsmethodik zur Verfügung steht. Unsere modifizierten DFS-Berechnungswerkzeuge bilden den neuesten Stand der Erkenntnisse ab“, betont Friedrich-Wilhelm Menge, Technologie-Geschäftsführer der DFS. „Mit der Implementierung der weiterentwickelten Prognoserechnung schaffen wir grundsätzlich günstigere Voraussetzungen für Bauanträge von Windkraftprojekten. Welche konkreten Verbesserungen im Einzelfall an den jeweiligen DVOR-Standorten entstehen, wird die Umsetzung in der Praxis zeigen. Eine pauschale, grundlegende Änderung der Genehmigungspraxis lässt sich durch eine präzisere Berechnungsmethodik nicht ableiten.“

Sicherer Luftverkehr benötigt eine zuverlässige Navigations- und Ortungsinfrastruktur am Boden. Damit die Signale von Flugsicherungseinrichtungen nicht durch Bauwerke wie Windenergieanlagen in der Umgebung gestört werden, sind um die Anlagen Schutzbereiche festgelegt. Diese orientieren sich an den Empfehlungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO. Die Einhaltung von Abstandsregelungen rund um Drehfunkfeuer ist eine wesentliche Maßnahme, um die international festgelegten Genauigkeitsanforderungen der Funknavigationssysteme einzuhalten.
„Die DFS unterstützt die Energiewende und ermöglicht den Bau neuer Windräder, wo immer es nach dem Stand der Technik möglich ist.  Wir werden auch die Verkleinerung der Schutzbereiche prüfen, wenn sie mit den Ergebnissen der weiterentwickelten Prognoseberechnung gerechtfertigt ist. Die DFS wird nach Einführung der modifizierten Bewertungsmethode sukzessive für jeden DVOR-Standort die Größe der erforderlichen Anlagenschutzbereiche überprüfen“, sagt DFS-CTO Menge.

Moderne Avionik bietet Chancen für mehr Onshore-Windenergie
Bereits heute befinden sich in Deutschland mehr Windenergieanlagen in den Anlagenschutzbereichen von Drehfunkfeuern als dies in anderen Ländern weltweit der Fall ist. Diese Zahl kann nur dann spürbar weiter erhöht werden, wenn die Flugzeuge im deutschen Luftraum nicht mehr primär auf bodengestützte Navigationsanlagen angewiesen sind, sondern vollständig moderne Satellitennavigation nutzen können. Entsprechende Präzisionsnavigationsverfahren hat die DFS bereits eingeführt. Da es bislang aber an verbindlichen Vorschriften fehlt, sind noch nicht alle Flugzeuge für Satellitennavigation ausgerüstet. Deshalb sind bodengestützte Anlagen bis auf weiteres unentbehrlich.

Für mehr Windenergie „onshore“ sind wegweisende Entscheidungen für modernste Avionik nötig. Mit einer in Deutschland für Luftfahrzeuge verpflichtenden modernen Avionik auf Basis von Satellitennavigation könnten perspektivisch zwei Drittel aller heute genutzten 55 Drehfunkfeuer ersetzt werden. Voraussetzung dafür ist die Schaffung einer entsprechenden Rechtsgrundlage, die in einem Übergangszeitraum bis spätestens zum Jahr 2027 zu einer vollständigen bordseitigen Einführung von Präzisionsnavigationsverfahren RNP (Required Navigation Performance) im deutschen Luftraum führt.

Die DFS könnte dann bis zum Jahr 2030 die von der EU geforderte Umstellung der Flugverfahren aufgrund der PBN-Verordnung deutschlandweit auf modernstem Standard vornehmen – bei einer Beibehaltung von am Ende nur noch rund einem Drittel der heutigen UKW-Drehfunkfeuer. Dieser Bestand an bodengestützten Anlagen wird auch künftig als Ersatz benötigt, falls das Satellitennavigationssystem ausfällt. „Modernste Avionik in Verbindung mit ökonomischen und ökologischen Potenzialen bieten beste Voraussetzungen, um die Windenergie weiter ausbauen und zugleich die Sicherheit des Luftverkehrs gewährleisten zu können. Diese Chance sollten wir nutzen – aber dafür brauchen wir eine Entscheidung der Politik. Hier haben die Windenergiebranche und die Flugsicherung ein gemeinsames Interesse“, sagt Menge. 

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Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH ist ein bundeseigenes, privatrechtlich organisiertes Unternehmen mit rund 5.600 Mitarbeitern (Stand 31.12.2019). Die DFS sorgt für einen sicheren und pünktlichen Flugverlauf. Die rund 2.200 Fluglotsen leiten täglich bis zu 10.000 Flüge durch den deutschen Luftraum, im Jahr mehr als drei Millionen. Deutschland ist damit das verkehrsreichste Land in Europa. Das Unternehmen betreibt Kontrollzentralen in Langen, Bremen, Karlsruhe und München sowie Tower an den 16 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland. Die Tochtergesellschaft DFS Aviation Services GmbH vermarktet flugsicherungsnahe Produkte und Dienstleistungen und ist für die Flugverkehrskontrolle an neun deutschen Regionalflughäfen sowie an den Flughäfen London-Gatwick und Edinburgh verantwortlich. Seit 2016 arbeitet die DFS an der Integration von Drohnen in den Luftverkehr und hat mit der Deutschen Telekom das Joint Venture Droniq GmbH gegründet. www.dfs.de