Drohnen als Lebensretter

Deutsche Flugsicherung, Deutsche Telekom und DLRG erproben erstmals gemeinsam die Steuerung und Überwachung von Drohnen aus der Ferne

09.10.2017.- Unbemannte Flugsysteme, die mit Hilfe des Mobilfunknetzes Daten an eine Bodenstation übertragen, können Leben retten – das haben DFS Deutsche Flugsicherung GmbH, Deutsche Telekom und Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in einem gemeinsamen Feldversuch bei Horneburg in der Nähe von Hamburg bewiesen. Demonstriert wurde die Rettung eines Kindes aus dem schilfbewachsenen Uferbereich der Elbe. Der Flug fand außerhalb der Sichtweite des Drohnensteuerers statt: Die mit einer Wärmebildkamera ausgestattete Drohne von Microdrones verfügte zusätzlich über ein eigens dafür entwickeltes Mobilfunk-Modul. Mit dem Modul ließ sich die Drohne aus der Ferne über das LTE-Netz der Deutschen Telekom steuern. Die Bild- sowie die Positionsdaten wurden so per Mobilfunk in Echtzeit an die Einsatzleitstelle der DLRG übermittelt. Dabei kam ein von der DFS und der Deutschen Telekom gemeinsam entwickelter Drohnentracker zum Einsatz. Dieser ist in der Lage, die Position der Drohne in einem Luftlagebild darzustellen.

Der Feldversuch ist Teil eines Forschungsprojekts, das die beiden Unternehmen im November 2016 gestartet haben. Ziel ist die sichere Integration von unbemannten Luftfahrzeugen (UAS) im bodennahen Luftraum mittels Mobilfunk. Dazu entwickelten die Partner ein sogenanntes „Hook-on device“, das an der Drohne montiert wird. Dieses rund 50 Gramm schwere Gerät beinhaltet ein GPS-Modul sowie eine Mobilfunk-Sendeeinheit, über die die Positionsdaten an das Mobilfunknetz gesendet werden. Parallel dazu wurde mit der Entwicklung eines Prototyps für ein UAS-Air-Traffic-Management-System (UTM) begonnen, das die gesendeten Daten aufnimmt und die Position der Drohne darstellt. Das würde nicht nur die Sicherheit im unkontrollierten Luftraum erhöhen, sondern auch Flüge über eine größere Distanz außerhalb der Sichtweite des Steuerers ermöglichen und damit Grundlage für vielfältige zukünftige Anwendungsszenarien von Drohnen bieten.

Basis für das UTM ist der von der DFS entwickelte Multisensortracker Phoenix, der in der Flugsicherung für die Darstellung von Radardaten genutzt wird. Dieser Tracker wurde so angepasst, dass er die von herkömmlichen Flugzeugen stark abweichenden Bewegungsmuster von Drohnen korrekt darstellt. Ziel ist es, die von dem UTM erfassten Fluggeräte weitgehend automatisiert zu kontrollieren. Um die Sicherheit auch für den bemannten Flugverkehr zu erhöhen, besteht zudem die Möglichkeit, das UTM an die bestehenden Flugsicherungssysteme anzubinden und so die Towerlotsen vor einem möglichen Konflikt zu warnen. Das UTM liefert dem Drohnenpiloten die jeweils aktuelle Luftlage und weitere Informationen, zum Beispiel zu Flugbeschränkungsgebieten oder zum Wetter.

Alexander Paffrath, stellvertretender Leiter Einsatz der DLRG: „Durch die zielgerichtete Nutzung von Drohnen in der Wasserrettung versprechen wir uns mittelfristig eine Optimierung unserer Einsatzoptionen. Daher begleiten wir das Thema sowohl in technischer Hinsicht, aber auch in Bezug auf die rechtlichen Voraussetzungen bereits seit rund zwei Jahren. Die jetzige Kooperation mit der Deutschen Telekom und der DFS könnte aus unserer Sicht ein Meilenstein auf diesem Weg sein.

Prof. Klaus-Dieter Scheurle, CEO DFS Deutsche Flugsicherung GmbH: „Die sichere und faire Integration von Drohnen in den Luftverkehr ist eine Herausforderung. Mit unserem UTM-System werden wir die Sicherheit im Luftverkehr weiter erhöhen und zugleich neue Einsatzmöglichkeiten für Drohnen ermöglichen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zu einem konfliktfreien Nebeneinander von bemannter und unbemannter Luftfahrt. Nur so kann der Nutzen von unbemannten Flugsystemen in Deutschland ermöglicht werden."
Dr. Bruno Jacobfeuerborn, CTO Deutsche Telekom: „Die in Deutschland fast flächendeckend ausgebaute Mobilfunkversorgung der Deutschen Telekom bietet die Grundlage für die sichere und effiziente Nutzung von Drohnen auch über die Sichtweite des Piloten hinaus. Im Zusammenspiel mit den Systemen der DFS ermöglichen wir so zukünftige kommerzielle Einsätze der unbemannten Flugsysteme.“

Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bild 4

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) ist mit rund 1,5 Millionen Mitgliedern und Förderern die größte Wasserrettungsorganisation der Welt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1913 hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Schirmherr ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die DLRG ist die Nummer Eins in der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung in Deutschland. Von 1950 bis 2016 hat sie über 22 Millionen Schwimmprüfungen und über viereinhalb Millionen Rettungsschwimmprüfungen abgenommen. In über 2.000 Gliederungen leisten die ehrenamtlichen Helfer pro Jahr fast acht Millionen Stunden freiwillige Arbeit für die Menschen in Deutschland. Die Kernaufgaben der DLRG sind die Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung, die Aufklärung über Wassergefahren sowie der Wasserrettungsdienst. Rund 36.000 Mitglieder wachen jährlich weit mehr als drei Millionen Stunden über die Sicherheit von Badegästen und Wassersportlern.

Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH ist ein bundeseigenes, privatrechtlich organisiertes Unternehmen mit rund 5.400 Mitarbeitern (Stand 30.9.2017). Die DFS sorgt für einen sicheren und pünktlichen Flugverlauf. Die rund 2.000 Fluglotsen lenken täglich bis zu 10.000 Flüge im deutschen Luftraum, im Jahr rund drei Millionen. Deutschland ist damit das verkehrsreichste Land in Europa. Das Unternehmen betreibt Kontrollzentralen in Langen, Bremen, Karlsruhe und München sowie Kontrolltürme an den 16 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland. Die Tochtergesellschaft “DFS Aviation Services GmbH” vermarktet flugsicherungsnahe Produkte und Dienstleistungen und ist für die Flugverkehrskontrolle an neun deutschen Regionalflughäfen sowie am Flughafen London-Gatwick verantwortlich.

Die Deutsche Telekom gehört mit rund 165 Millionen Mobilfunk-Kunden, 28,5 Millionen Festnetz- und 18,5 Millionen Breitband-Anschlüssen zu den führenden integrierten Telekommunikations-Unternehmen weltweit und ist in mehr als 50 Ländern vertreten. Im Geschäftsjahr 2016 haben wir mit rund 218.300 Mitarbeitern einen Umsatz von 73,1 Milliarden Euro erwirtschaftet – rund 66 Prozent davon außerhalb Deutschlands (Stand: 31.12.2016). Damit wir auch weiterhin erfolgreich sein können, entwickeln wir uns schon heute von der klassischen Telefongesellschaft hin zu einer Servicegesellschaft ganz neuen Typs. Das Kerngeschäft, also der Be- und Vertrieb von Netzen und Anschlüssen, bleibt dabei die Basis. Zugleich engagieren wir uns offensiv in Geschäftsfeldern, in denen sich für uns neue Wachstumschancen eröffnen.