So sieht der Lotse am 3D-Arbeitsplatz durch die Shutter-Brille die dreidimensionale Darstellung der Luftlage eines Holding Stacks – einer Warteschleife, bei der mehrere Flugzeuge übereinander kreisen.
Glossar Flugsicherung
In unserem Glossar Flugsicherung können Sie die gebräuchlichsten Ausdrücke und Abkürzungen nachschlagen.

Luftverkehr in „3D"

Zusammen mit Forschungseinrichtungen und Industrie hat die DFS begonnen, ein stereoskopisches Visualisierungs- und Interaktionskonzept für Center-Arbeitsplätze zu testen. Dieses Konzept wird im Rahmen des Projekts iPort (innovativer Airport) erarbeitet, das im vierten Luftfahrtforschungsprogramm durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wird.

Angesichts der wachsenden Einsatzmöglichkeiten von 3D-Effekten in der Unterhaltungsindustrie liegt der Gedanke nahe, das Prinzip des stereoskopischen Sehens für Zwecke der Flugsicherung zu nutzen – Flugsicherung ist schließlich eine mindestens dreidimensionale Angelegenheit. Ansätze dafür gab es in der Vergangenheit viele – es mangelte aber stets an der Qualität der Darstellung. Dabei wäre es unverändert reizvoll, die für die Luftverkehrskontrolle so wichtige Information der Flughöhen für den Lotsen intuitiver erfassbar zu machen als durch eine Zahl auf einem 2D-Display.

Nach umfangreichen Voruntersuchungen zum 3D-Visualisierungs- und Interaktionskonzept folgte der Aufbau eines technischen Demonstrators.

Das Ergebnis übertrifft selbst optimistische Erwartungen: Man schaut in den Luftraum mit seinen Flugbewegungen wie in ein Aquarium. Erreicht wird dieser Effekt durch das hochwertige, hochauflösende Projektionssystem und die Erfassung der Blickrichtung des Beobachters. Bewegt sich dieser um die Projektion herum, ändert sich auch die Perspektive der 3D-Projektion. Möglich wird diese verblüffende Optik durch den Einsatz einer aktiven Shutter-Brille samt Infrarot-Reflektoren.

Und was macht man mit einer solchen 3D-Darstellung? Simuliert wurden beispielsweise Warteschleifen am Flughafen München. Warteverfahren können derzeit nur unschön dargestellt werden, da Flugziele oft überlappen. Bei vielen Luftfahrzeugen gerät die Darstellung zum großen Durcheinander, in der allein eine gesonderte Ansicht der Flugverlaufsdaten den nötigen Durchblick verschaffen.

Die eingesetzten Lotsen zeigten sich von den Potenzialen des 3D-Prinzips positiv überrascht. In strukturierten Interviews nach jeweils zwei beziehungsweise drei Simulationstagen konnte die 3D-Arbeitsplatzkonsole als Untersuchungsplattform für 3D-Anzeigekonzepte überzeugen. Bestätigt wurde natürlich auch: Flugsicherung macht sich nicht von alleine, nur weil man alles räumlich sieht. „Ich denke zwar nicht, dass wir ein solches System schon in den kommenden Jahren im Betrieb sehen werden“, so ein Centerlotse, „aber der räumliche Eindruck war schlicht frappierend.“