Radaranlagen

Hier finden Sie Informationen rund um das Thema Radaranlagenerneuerung.

1. Wozu dienen Radaranlagen?

Die Radaranlagen sind die Augen der Fluglotsen. Sie sorgen dafür, dass die Fluglotsen die Luftlage im Blick haben. Die Radarsysteme erfassen die Position der Flugzeuge in der Luft und auf den Rollfeldern der Flughäfen. So haben die Fluglotsen zu jeder Zeit einen genauen Überblick über den deutschen Luftraum. Die Hauptaufgabe der Fluglotsen besteht darin, sicherzustellen, dass die Flugzeuge, die nach Instrumentenflugregeln fliegen, immer einen bestimmten Abstand zueinander halten. Der Mindestabstand zwischen diesen Flugzeugen in der Luft beträgt ca. 9 Kilometer horizontal und ca. 300 Meter vertikal.

Die Radaranlagen, die sich im Nahbereich der Flughäfen befinden, dienen der Beobachtung des an- und abfliegenden Luftverkehrs und den Flugzeugbewegungen auf den Rollfeldern der Flughäfen. Darüber hinaus erfassen Radaranlagen im Fernbereich den überliegenden Luftverkehr.

Die ersten Radarsysteme hatten lediglich die Position eines Luftfahrzeugs als Punkt auf dem Bildschirm angezeigt. Durch die Weiterentwicklung der Radartechnik in den letzten Jahrzehnten ist es heute möglich, dass die Radarsysteme mit den Bordsystemen der Flugzeuge kommunizieren. Sie erhalten so Informationen über Geschwindigkeit, Flughöhe und -richtung, Reiseziel und die Kennung des Flugzeugs. Früher mussten all diese Informationen noch per Funk zwischen den Piloten und den Fluglotsen ausgetauscht werden. Heute werden alle Informationen die das Radar erfasst in digitaler Form übertragen und als Informationspaket auf den Bildschirmen der Fluglotsen dargestellt. Die neue Technologie erleichtert die Arbeit der Fluglotsen erheblich und trägt so einen großen Teil zur Sicherheit des Luftverkehrs bei.

2. Warum erneuert die DFS die bestehenden Radaranlagen?

Das Projekt MaRS
Die Technik der Radaranlagen, welche zurzeit im Einsatz sind, ist inzwischen rund 30 Jahre alt. Die Systeme sind technisch veraltet und zum Teil stark sanierungsbedürftig. Auch wird es zunehmend schwerer, Ersatzteile für die alten Anlagen zu beschaffen. Neue Radarsysteme sind leistungsfähiger und haben eine größere Ortungsreichweite. Sie sind zudem strahlungsärmer, verbrauchen wesentlich weniger Energie und haben einen erheblich geringeren Wartungsbedarf. Die neuen modernen Radaranlagen sind dadurch kostengünstiger und umweltverträglicher.

Unter dem Projektnamen MaRS (Modernisation and Replacement of Surveillance Infrastructure) wird die Deutsche Flugsicherung in den kommenden Jahren rund 28 Radaranlagen erneuern. Dabei werden die bestehenden „alten“ Radaranlagen abgebaut und durch die neuen Radarsysteme ersetzt.


Einsatz von Interimsanlagen

Wird eine Radaranlage außer Betrieb genommen, entsteht eine Überwachung- bzw. Redundanzlücke in dem betroffenen Luftraum, da dieser nicht mehr durch das Radar erfasst werden kann. Um sicherzustellen, dass der Luftraum zu jeder Zeit anforderungsgerecht überwacht wird, werden im Zuge der Baumaßnahmen, in denen die Radaranlagen außer Betrieb genommen werden, Interimsanlagen eingesetzt. Diese vollwertigen Anlagen werden aufgrund der restriktiven Standortbestimmungen nicht unbedingt in der Nähe des eigentlichen Standortes errichtet. Ist die Baumaßnahme der eigentlichen Radaranlage abgeschlossen, wird die Interimsanlage wieder vollständig entfernt. Die Flächen werden dann durch Renaturierungsmaßnahmen in den ursprünglichen Zustand zurück versetzt.

Wann findet die Erneuerung der Radaranlagen statt und wie lange wird sie dauern?
Die Erneuerung der Anlagen läuft bereits seit 2012 und wird voraussichtlich 20 Jahre andauern.

3. Was sind die Besonderheiten bei der Standortsuche einer Interimsradaranlage?

Bei einem Blick in die Landschaft entsteht schnell der Eindruck, dass es unzählige Stellen gibt, an denen Radaranlagen aufgestellt werden können. Schließlich existieren in Deutschland viele großräumige freie Flächen. Jedoch muss die Flugsicherung Radarstandorte nach speziellen Kriterien ermitteln, welche die Auswahl der nutzbaren Flächen am Ende auf ein Minimum beschränken.

Eine große Herausforderung besteht dabei in der zunehmenden Zahl der Windkraftanlagen. Radaranlagen haben gemäß ICAO-Regularien einen Anlagenschutzbereich mit einem Radius von 15 Kilometern, indem nicht ohne nähere Prüfung Windkraftanlagen geplant und gebaut werden dürfen, weil diese Signalverfälschungen erzeugen können. Die Radaranlagen in den Nahbereichen der Flughäfen müssen zudem eine uneingeschränkte Sicht auf die Rollfelder haben, um die Flugzeugbewegungen am Boden verfolgen zu können.

Auch An- und Abflugrouten, also die Bereiche vor und hinter Start- und Landebahnen eignen sich nicht als Standort. Radaranlagen suchen den Himmel horizontal in einem 360° Radius ab, so dass Flugzeuge die sich unmittelbar über dem Radar befinden, nicht erfasst werden können. Weiterhin stellen die Hindernisfreiflächen, gerade im An- und Abflugbereich der Flughäfen, eine Höhenbegrenzung der Radartürme dar. In diesen Bereichen haben Flugzeuge nach dem Start und vor der Landung nur eine sehr geringe Flughöhe.

Genauso wie das menschliche Auge, kann auch das Radar nicht durch Objekte hindurchschauen. Damit das Radarsystem die Flugzeuge in der Umgebung erfassen kann, ist eine uneingeschränkte Rundumsicht um 360° notwendig. Ist diese Sicht durch Objekte wie Gebäude, Sendemasten oder andere Objekte gestört, kann das Radar den Bereich hinter diesem Störobjekt nicht erfassen oder seine Signale werden gestört oder verfälscht. Daher sind tiefliegende Gebiete mit hohen Gebirgslandschaften und Bereiche in unmittelbarer Nähe zu hohen Bauten, als Radarstandort ebenfalls ungeeignet.

Wie jede Baumaßnahme, muss der Bau von Radaranlagen durch die örtlichen Behörden genehmigt werden. Dabei entstehen häufig weitere Einschränkungen, da selbstverständlich alle Vorschriften und Auflagen aus Umwelt- und Naturschutz greifen.

Die Auswahl der geeigneten Standorte für den Bau von Radaranlagen ist somit sehr gering. Oft ist die DFS dabei in ihren Möglichkeiten auf nur einen möglichen Standort beschränkt.



Welche Standorte sind betroffen?


4. Warum geht von den Radaranlagen der DFS keine gesundheitliche Gefahr aus?

Die elektromagnetische Energie, die von der Radarstrahlung ausgeht, wäre für den Menschen nur bei geringem Abstand zur Radarantenne und bei langanhaltender Strahlungseinwirkung gesundheitsgefährdend. Die Radaranlagen der DFS strahlen ihre Energie vorwiegend horizontal, mit einem Öffnungswinkel von ca. 30° nach oben, in den Luftraum ab. Die Einwirkung der Strahlung auf die Bodenfläche im Umkreis der Radaranlage ist daher gering. Durch die ständige Rotation richtet die Radarantenne die Strahlung auch nur für einen kurzen Moment auf eine bestimmte Stelle. Ein gesetzlicher Schutzbereich der Radaranlagen sieht vor, dass sich Personen nicht näher als 150 Meter vor und 6 Meter unterhalb einer Radarantenne aufhalten können. Aufgrund der Höhe der Radartürme ist es ausgeschlossen, dass Personen in den Strahlungsbereich gelangen können.

Radaranlagen unterstehen einer formalen Genehmigungspflicht und müssen strenge Strahlungsgrenzwerte einhalten. Die Einhaltung dieser Grenzwerte wird von der Bundesnetzagentur durch eine Standortbescheinigung sichergestellt und fortwährend überwacht. Erst wenn die Einhaltung der Grenzwerte nachgewiesen wurde, werden die Radarsysteme genehmigt und in Betrieb genommen.
Nähere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie auf den Seiten des Bundesamts für Strahlenschutz.