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Human Factors
In der Flugverkehrskontrolle steht seit jeher der Mensch im Mittelpunkt. Er ist der Garant für Sicherheit und er kann durch keine Art von Technik ersetzt werden. Die Notwendigkeit, sich mit den menschlichen Faktoren – den Human Factors – in der Flugsicherung auseinander zu setzten, ist weiter gewachsen. In der Vergangenheit lag im System Mensch-Flugverfahren-Technik die Aufmerksamkeit stärker auf der Verbesserung und Weiterentwicklung der Flugverfahren und der Technik und weniger auf den menschlichen Faktoren. Der Mensch rückte erst dann in den Fokus, wenn Fehler passierten. Denn es sind schließlich Menschen, die ihre Arbeit verrichten, die mit der Technik umgehen, die Verfahren anwenden und letztendlich auch die Sicherheit eines Systems gewährleisten. Allerdings greift der allgemeine Begriff des "Menschlichen Versagens" zu kurz und dient nicht der Erklärung von Vorfällen. Die DFS entwickelt sich weg von linear-kausalen Erklärungsmustern hin zu einem systemischen Ansatz. Daher nutzt die DFS für die Untersuchung des "Human Error" bei Vorfällen eine standardisierte Methode: HERA (Human Error in ATM). Die Methode strukturiert und generalisiert die Untersuchung mit festgelegten Fragen an die betroffenen Mitarbeiter. HERA ist darauf ausgerichtet, die Ergebnisse so zu analysieren, dass sie vom Individuum weg hin zum Gesamtsystem führen. Mit HERA wird also nicht ausschließlich nach individuellen "Fehlern" gesucht, sondern auf die Entstehung von Fehlern im Gesamtkontext abgezielt. Der Human Error wird als „Symptom“ verstanden und nicht als Ursache. Die Symptome führen zu den tiefer liegenden systemischen Faktoren von Vorfällen. Können diese ausgeräumt werden, führt dies zu einer Verbesserung im Gesamtsystem. Die Mitarbeiter, die an einem kritischen Vorfall beteiligt waren, werden nach der CISM-Methode (Critical Incident Stress Management) betreut. Die DFS begann 1998 mit dem Aufbau des Programms. Sie verfügt bundesweit über fast 100 Peers (kollegiale Berater). Die Peers stehen ihren Kollegen nach einem kritischen Ereignis (z.B. einer Staffelungsunterschreitung) für ein strukturiertes Gespräch zur Verfügung. Dabei ist nicht der objektive Schweregrad eines kritischen Ereignisses für das Ausmaß der Belastung entscheidend, sondern das subjektive Erleben der Betroffenen. Peers werden von ihren Kollegen in den Niederlassungen gewählt und analog den Standards der International Critical Incident Stress Foundation - internationale Gründungsorganisation für Krisenintervention (ICISF) - ausgebildet. Um die Qualifikation zu erhalten und weiterzuentwickeln, finden regelmäßig Auffrischungskurse sowie ein jährliches CISM-Forum statt. Dazu werden für einen noch breiteren Austausch regelmäßig Experten von Partnerorganisationen eingeladen. Ziel der CISM-Maßnahmen ist die Minderung der Stressreaktionen, die schnelle Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit und die Vermeidung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). In der DFS ist CISM eine Standardprozedur, CISM wird aktiv angeboten, es wird von den Mitarbeitern als hilfreiche und wichtige Unterstützung genutzt und von den Peers professionell angewandt. Die DFS verfügt über Trainingslizenzen in CISM und kann somit ihr Wissen auch an andere Flugsicherungsorganisationen weitergeben. In Kooperation mit FRAPORT AG wurde im März 2005 ein gemeinsames Kriseninterventionsteam (ATC-AP) aufgebaut. Es ist bei der ICISF anerkannt und registriert. Das ATC-AP kann im Falle von Großschadensereignissen, die Flugsicherung oder Flughäfen betreffen, angefordert werden. Das Team besteht aus erfahrenen Peers der DFS und FRAPORT.
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| 24.02.2010 |
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